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Ich stoße immer wieder auf die unterschiedlichsten Definitionen in der People-Fotografie.
Im täglichen Dialog zwischen Modell und Fotograf kommt es daraufhin immer wieder zu Missverständnissen, insbesondere bei der Abgrenzung der Aufnahme-Bereiche. Weil es allgemeingültige Definitionen nicht gibt, habe ich hier versucht, die wichtigsten Begriffe im Zusammenspiel beider Seiten (eigentlich ist es ja nur eine Seite) zusammenzufassen. Ich bin mir bewusst, dass die Grenzen zwischen Begriffen und deren Inhalten immer mehr verschwimmen und dass etliche Begriffe hier nicht aufgeführt und erklärt sind. Bitte Begriff wählen: Akt
Der klassische Akt ist - künstlerisch betrachtet - die Urform der 'Nackt-Fotografie'. Im Mittelpunkt stehen ruhige, klassische Posen, in aller Regel vor einem neutralen Hintergrund (im Studio oder im Freien). Die Lichtführung spielt hier eine entscheidende Rolle. Akt stellt die Schönheit des Körpers in den Vordergrund. Unterschieden werden der 'Teil-Akt' (hier sind meist nur bestimmte Körperpartien (oft auch ohne Gesicht) zu sehen und der 'Voll-Akt' (hier ist immer der ganze Körper und das Gesicht zu erkennen). Akt verzichtet gänzlich auf Kleidungsstücke am Körper, nimmt aber manchmal Accessoires (wie z.B. Tücher, Stoffe, Gegenstände usw.) als ausdruckverstärkende Mittel zur Hilfe. Beim Akt sind Busen und Po bewusst zu sehen, Schamlippen werden - falls überhaupt sichtbar - nicht betont, sondern höchstens 'beiläufig' mit abgebildet; die Beine des Models sind meist geschlossen oder lassen den Blick auf den Intimbereich nicht zu. bei männlichen Modellen ist der Penis natürlich sichtbar, aber nicht erigiert. Beauty
Hier wird in erster Linie Schönheit, Wellness, Kosmetik, Fitness, Körperpflege fotografiert, meist zum Zweck der Werbung, nicht selten aber auch einfach, um die genannten Themenbereiche fotografisch anspruchsvoll umzusetzen. Book
Eine Sammlung von Aufnahmen des Modells. In aller Regel werden diese Aufnahmen in einer Mappe oder in einem Ordner als Prints / Abzüge präsentiert. Das Modell bewirbt sich damit nach Einladung bei Auftraggebern, Fotografen und Agenturen - entsprechend hochwertig sollte die Optik (Material, Format, Farbe) ausfallen. In einem guten Book ist eine Vielfalt von Aufnahmebereichen, Bildideen und -inhalten und unterschiedlichen Fotografen zu sehen. Bodypainting
Aufnahmen, die das Modell mit Körper- und/oder Gesichtsbemalung zeigen. Bodypainting wird in aller Regel auf nackter Haut angefertigt, die Farben werden dabei entweder von Hand aufgetragen, mit Pinseln, Tüchern oder auch mit Spritzpistolen (Airbrush). Der künstlerische Ausdruck steht bei diesen Aufnahmen im Vordergrund. Dance
Aufnahmen, die das Modell in tänzerischen Posen (klassisches Ballett bis Gogo-Dance) zeigen. Erotik
Die Erotik ist im Vergleich zum Akt ein wenig 'provokanter', 'lockender' und 'verführerischer' und stellt die Weiblichkeit / Männlichkeit in den Vordergrund. Hier wird einfach ein wenig freizügiger fotografiert als beim Akt, sofern es Bildinhalt und -idee erfordern. Bei der Erotik ist der Körper unbekleidet, Schamlippen und Po sind hier sichtbar (aber nicht geöffnet für den so genannten "Pink Shot", das Auseinanderziehen der weiblichen Schamlippen also), die Beine sind schon mal geöffnet oder gespreizt, bei männlichen Modellen ist der Penis schon mal erigiert. Kurz: das Posing ist eher erotisch als zurückhaltend, stimulierende Inhalte werden lediglich angedeutet. Wird oft auch als "Freizügiger Akt" bezeichnet, ist aber nicht zu verwechseln mit Softcore. Fashion
Hier wird in erster Linie Mode und Oberbekleidung in allen Variationen fotografiert - meist für Kataloge, Magazine, Fachzeitschriften, fast ausnahmslos zum Zweck der Werbung, nicht selten aber auch einfach, um die genannten Themen- bereiche fotografisch anspruchsvoll umzusetzen. In diesen Bereich fällt auch das Fotografieren von Bademoden. Oft wird im Studio fotografiert, nicht selten aber auch direkt am Catwalk (Laufsteg) oder Outdoor. Fetisch
Die Fetisch-Fotografie beschäftigt sich hauptsächlich mit den Bereichen Lack, Leder, Latex, Nylon, Bondage und SM, nicht selten aber auch mit den "anderen" Gangarten der Fotografie wie z.B. Wachs, Kleidung, Urinieren, Matsch, Rollenspiele usw. Es kommen fast ausnahmslos zusätzliche Requisiten zum Tragen. Bei der Fetisch-Fotografie wird die Weiblichkeit/Männlichkeit als solche stark in den Vordergrund gestellt, die Aufnahmen haben fast durchweg provokanten, freizügigen Charakter, ohne allerdings vulgär oder schmuddelig und billig zu wirken. Der so genannte Pink-Shot ist hier nicht die Regel (kommt jedoch vor), teils werden Detail-Aufnahmen (Close-Ups) angefertigt. Flashing
Im Gegensatz zum NIP zeigt sich das Modell bei Aufnahmen dieser Art in der Öffentlichkeit nur für einige Augenblicke ganz oder teilweise unbekleidet, in aller Regel nur für den Fotografen. Zuschauer und Passanten sind dabei eigentlich unerwünscht, aber nicht immer zu vermeiden. Hardcore
Hardcore ist die tabulose Erweiterung von Softcore. Hier wird das Modell in aller Regel mit Partner/in (eine/r oder mehrere) bei eindeutigen sexuellen Handlungen abgebildet. Hier geht es allein um Vorspiel und um den vaginalen, analen und oralen Geschlechtsakt. So genannte 'Cum-Shots' (die männliche Ejakulation also) werden hier ebenso gezeigt wie Orgien mit mehreren Partnern und härteste Gangarten der Sexualität. Indoor
Aufnahmen in ausgesuchten Innenräumen und/oder Gebäuden. Außer bei Aufnahmen, bei denen das Modell teilweise oder völlig unbekleidet ist, sind Zuschauer und/oder Passanten teils möglich, teils sogar ausdrücklich gewünscht. Internet
Hier werden Aufnahmen zur Veröffentlichung ausschließlich im Internet angefertigt. Wahlweise kommen hier auch Video-Kameras und Webcams zum Einsatz. Die Aufnahmen haben meist erotischen, freizügigen Charakter und stellen keine hohen Ansprüche an eine handwerklich saubere Arbeit. Sie werden in erster Linie zur Anreicherung des Inhalts (des so genannten "Content") von Erotik-Web-Seiten angefertigt und dienen vordergründig der Stimulierung des Betrachters. Lingerie
Hier werden vorwiegend Dessous fotografiert, grundsätzlich immer der ganze Körper und auch das Gesicht. Der Charakter der Bilder kann von ruhig und verträumt bis hin zu erotisch und verführerisch gehen. Der nackte Busen wird hier zwar hin und wieder abgebildet, jedoch meistens verdeckt durch Stoffe, Hände, Posing. Location
Als Location bezeichnet man den Ort der Aufnahme. Dieser Ort kann ein Studio sein, aber auch andere Örtlichkeiten wie z.B. unter Outdoor, Indoor näher beschrieben. Der Begriff "on location" bedeutet, dass vor Ort (in der Regel Wohnort oder Umgebung des Modells) fotografiert wird. NIP
NIP ist eine Abkürzung für "nude in public". Hier werden Aufnahmen angefertigt, die das Modell teilweise oder völlig unbekleidet in der Öffentlichkeit zeigen. Als Locations kommen in erster Linie belebte Plätze, Fußgängerzonen oder Massenveranstaltungen zum Einsatz. Zuschauer sind hier im Gegensatz zum Flashing nicht nur möglich, sondern ausdrücklich gewünscht. NIP erfordert ein recht gesundes Selbstbewusstsein und ein perfektes Zusammenspiel von Modell und Fotograf. Outdoor
Aufnahmen im Freien, meist an ausgesuchten Locations. Außer bei Aufnahmen, bei denen das Modell teilweise oder völlig unbekleidet ist, sind Zuschauer und/oder Passanten möglich, teils sogar ausdrücklich gewünscht. Performance
Aufnahmen, die das Modell bei künstlerischen Darbietungen (z.B. Pantomime, Ausdruckstanz) zeigen. Hierzu zählt auch das Bodypainting. Zu diesem Bereich zählen auch Erotik-Shows, Life-Acts und Striptease-Vorführungen. Das fotografische Element beschränkt sich meist auf eine rein dokumentarische Funktion. Portrait
Hier steht das Gesicht und dessen Ausdruckskraft im Vordergrund. Fotografiert wird oft auch noch der Oberkörper (bekleidet bzw. wenn unbekleidet, dann nur das Dekolleté bis zum Brustansatz), teils auch der ganze Körper (dann aber bekleidet), der Fokus liegt aber immer auf dem Gesicht. Portraits eignen sich sehr gut zum Verschenken, aber auch für Bewerbungen und Wettbewerbe. Oder einfach nur zum Aufhängen in den eigenen vier Wänden. Sedcard
Oft auch als Setcard bezeichnet. In aller Regel ein auf DIN A 5 gefalzter DIN A-Karton (Bilderdruck), mit dessen Hilfe sich ein Modell bei Agenturen bewerben kann. Die Sedcard enthält alle wichtigen Informationen zum Modell und einige Fotos und ist nach festen Regeln aufgebaut. Set
Der eigentliche Arbeitsbereich, in dem sich das Modell bewegt, in dem Licht und Technik arrangiert werden und sich sowohl Fotograf, als auch Assistenten und/oder Visagisten ständig aufhalten. Softcore
Softcore ist - vereinfacht ausgedrückt - Erotik und Weiblichkeit/Männlichkeit pur. Hier wird nichts verdeckt, alles wird dargestellt. Der so genannte Pink-Shot kommt hier ebenso vor, wie vaginale und anale Masturbationsszenen mit Fingern, der ganzen Hand (u.a. das so genannte 'Fisting') oder Gegenständen wie z.B. Dildos. Beim Softcore wird das Model immer allein abgebildet, also ohne Partner/in. TFP
TFP bedeutet "time for print": beide Seite verzichten dabei gegenseitig auf ein monetäres Honorar. Das Modell erhält dabei als geldwertes Honorar kostenlos Abzüge und/oder einen Datenträger mit den Aufnahmen. Qualität und Anzahl dieser kostenlosen Aufnahmen werden vertraglich geregelt. Beide Seiten (Fotograf und Modell) haben einen Vorteil: der Fotograf kann ohne zusätzlichen Aufwand für Modell-Honorare neue Ideen umsetzen, das Modell erhält ohne zusätzlichen Aufwand für Fotografen-Honorare neue Aufnahmen für die eigene SedCard, das eigene Book - oder einfach für sich selbst. Beide Seiten haben auch ohne diese zusätzlichen Aufwendungen noch mehr als genug Kosten. TFP setzt auf beiden Seiten sehr viel Begeisterung an der Fotografie an sich, und sehr wenig Begeisterung an Geld voraus. Werbung
Alle Arten von Aufnahmen mit dem Zweck, sie später für den Bereich der Werbung (insbesondere für Produkte und/oder Dienstleistungen) einzusetzen. Die Aufnahmen folgen aufgrund der beabsichtigten kommerziellen Verwendung in aller Regel anderen Gesetzen (insbesondere bei Posing, Mimik, Perspektiven), als Aufnahmen, die für nicht-kommerzielle Zwecke angefertigt werden. Workshop
Eine Art Seminar mit dem Ziel, einer begrenzten Anzahl (max. fünf) von Teilnehmern Wissen, Können und Fertigkeiten in bestimmten Themenbereichen zu vermitteln. Zu diesem Zweck wird ein Modell gebucht, das den Teilnehmern als Übungs-Modell zur Verfügung steht. Ein Workshop wird vom Veranstalter geleitet, der auch die Inhalte didaktisch vermittelt. Das Modell folgt dabei entweder detaillierten Anweisungen des Workshop-Leiters oder wirkt durch eigene Ideen aktiv am Entstehen einer Aufnahme mit. Weil Workshops in aller Regel mit - in bestimmten Themen oder insgesamt - unerfahrenen Fotografen durchgeführt werden, ist ein in Posing, Mimik, Perspektive, Bildwirkung und Technik erfahrenes Modell eine wichtige Voraussetzung für einen guten Workshop. |